Tagebuch einer Weltreise


Berg Lake Trail
Berg Lake Trail

Mt. Robson
Mt. Robson, der höchste Berg Kanadas

Berg Lake Trail
Ausblicke am Rande des Trails


April: Iowa, Illinois, Kentucky, Tennessee, Georgia
Mai: North Carolina, Tennessee, Ontario, Quebec, Maine, New Brunswick, Nova Scotia
Juni: Nova Scotia, Neufundland, Labrador
Juli: Quebec, Ontario, Manitoba, Saskatchewan, Alberta, British Columbia, Yukon Territory, Alaska 
August: British Columbia, Yukon Territory, Northwest Territories, Alaska

September: British Columbia, Alberta, Montana, Wyoming, Idaho, Utah, Nevada, California

Oktober: Neuseeland; Northland, Marlborough
November: Marlborough (NZ); Australien: Victoria 
Dezember: Victoria, New South Wales
Januar: Queensland

Februar: Thailand
März: Deutschland


Murmel
Berg Lake Trail

Mini
Berg Lake Trail

Berg Lake
Berg Lake Trail

Berg Lake
Berg Lake Trail

Yellowstone
Yellowstone
Yellowstone
Yellowstone


Christiane am 04.09.2001 im Glacier Nationalpark/Montana (USA):

Ich wurde mit grossen Augen angesehen, als ich fragte, ob wir am Abend grillen dürften. Schon auf dem Weg durch British Columbia hierher nach Pincher Creek, im Süden der Kanadischen Provinz Alberta, war uns aufgefallen, dass die Landschaft immer trockener wurde. Ein heisser trockener Wind fegte über die Hügel im Vorland der Rocky Mountains. Deshalb hatte ich vorsichtshalber nachgefragt.

"Nein grillen ist zur Zeit nicht erlaubt. Die Feuergefahr ist sehr hoch. Die Farmer dürfen nicht mal zu ihren Pferden reiten, weil die Hufen auf den Steinen Funken schlagen könnten. Es ist wirklich aussergewöhnlich trocken im Moment!" Die Besitzerin des Campingplatzes war sehr freundlich und wollte uns sogar ihre Küche anbieten um unsere Steaks zu braten. Doch da wir unseren Gaskocher noch benutzen durften, war das nicht nötig.
Dies war unsere letzte Übernachtung in Kanada. Aus dem Yukon Territorry im Norden kommend, waren wir in British Columbia durch die berühmten Jasper und Banff Nationalparks gefahren und wollten nun als nächstes in den Glacier Nationalpark in Montana. Der lag von hier aus gesehen gleich hinter der Grenze in den USA. Morgen würden wir Kanada verlassen. Dieses wunderbare, riesige Land mit seinen gewaltigen Landschaften und freundlichen Menschen. Wer weiss wann wir wiedermal hierher kommen? Und so feierten wir unseren letzten Abend mit Steaks und Salat und den letzten Dosen Molson Canadian Bier.

Als wir am nächsten Morgen aufwachten, war die Luft irgendwie dunstig. Bald rochen wir es dann: Feuer! Irgendwo war trotz aller Vorsichtsmassnahmen ein Feuer ausgebrochen. Die Hügel in der Ferne verschwammen in der Rauch geschwängerten Luft.


bushfire 1
Waldbrände in Montana
bushfire 2
Waldbrände in Montana

Wir fuhren 2 Stunden in Richtung Süden - und je näher wir der Grenze zu den USA kamen, desto dichter wurde der Rauch. Es fing an in den Augen zu brennen. Das machte das fahren auf der kurvigen Strasse bei sowieso schon schlechter Sicht noch schwieriger. Wir hielten an und diskutierten, ob wir nicht lieber umdrehen sollten. Aber eine andere Route bedeutete einen riesigen Umweg und so beschlossen wir doch genau in den dichten Rauch hinein zu fahren. An der Grenze war der Rauch am schlimmsten. Die Zollbeamtin, die unsere Ausweise kontrollierte, hatte schon rote Augen. "Wo ist denn das Feuer?", fragten wir sie. "Hinter diesem Berg im Glacier Nationalpark", war ihre traurige Antwort. Genau dort wo wir hin wollten! Dennoch fuhren wir weiter und mit einmal hatten wir das Gefühl, dass der Rauch wieder dünner wurde. Als wir ca. zwanzig Kilometer hinter der Grenze in St. Mary, Montana ankamen, waren wir wieder an der frischen Luft.
Wir hielten an und schauten uns um. Da war eine riesige Rauchsäule, die aus den Wäldern hinter uns aufstieg. Der Wind blies den Rauch in Richtung Nordosten, die Richtung aus der wir gekommen waren. Von hier aus, nur wenige Kilometer südlich des Brandherdes, sahen wir die Naturgewalt wüten, waren aber selber nicht im Rauch.

Wenn man durch Kanada und die USA reist, sieht man allerorts abgebrannte Wälder. Das gehört zum Zyklus des Lebens in dieser Natur dazu. Einen Nationalpark aber brennen zu sehen, stimmte uns doch traurig. Wir fuhren in den Nationalpark hinein. Dieses Mal sicher vor dem Rauch, denn die Straße führte nach Süden. Auf einem der ersten Campingplätze im Park übernachteten wir, um uns die bizarren Berge des Glacier Nationalparks am nächsten Tag in Ruhe anzuschauen. Als wir an diesem Morgen aufwachten, hatte sich das Wetter völlig geändert. Plötzlich war es sehr kalt und als wir gerade mit dem Frühstück fertig waren, fing es auch noch an zu regnen.

Dieser Herbstbeginn in den Bergen Montanas verdarb uns zwar die Sicht auf die wunderbaren Berge, aber für den Wald und seine Bewohner freuten wir uns sehr über den Regen, der Die Ausbreitung des Feuers doch bestimmt erheblich eindämmte.


Torsten am 05.09.2001 in Lake Alva/Montana (USA):

Jetzt liegt wieder ein ziemliches Stückchen hinter uns. Wir sind vom Norden British Columbias nach Alberta, durch die Nationalparks Jasper/Banff/Kootenay und danach Richtung Montana gefahren. Der hinter uns liegende Klimawechsel der letzten 2000 Meilen hat es echt in sich: Im Norden sass uns Ende August der Winter im Nacken, in den Bergen hatten wir schon den ersten Neuschnee - und hier auf der Südseite der Rockiies, in Alberta und Montana, jetzt die absolute Dürre. Es hat hier den ganzen Sommer überhaupt nicht geregnet. Die Folge: Vertrocknetes Land, Waldbrände überall. Die Farmer dürfen nicht mal mehr mit ihren Pferden ausreiten, weil man Angst hat, dass die Hufeisen an den Steinen Funken schlagen könnten und noch mehr Unheil anrichten. Starke Winde und Temperaturen um 30 Grad im Schatten machen das gesamte Land zu einem Pulverfass.
Gestern waren wir dann im Glacier Nationalpark in Montana. Dort ist vor ein paar Tagen ein Feuerausgebrochen. Das war dann leider mal wieder ein Grund, nicht zu wandern. Schade, denn die Rocky Mountains sind dort besonders faszinierend! Sie sehen so bizarr aus, dass sie eine ideale Kulisse für einen Fantasy-Film abgeben würden.


bushfire 3
Waldbrände in Montana

Das Kapitel Kanada ist für diese Reise leider endgültig beendet. Ein bisschen Wehmut ist für uns schon dabei, denn dieser Sommer war wirklich voller unvergesslicher Erlebnisse. Vielleicht passt es an dieser Stelle, mal unsere Erfahrungen mit den ach so beliebten Reisezielen Jasper/Banff zu berichten. Die Landschaft dort ist tatsächlich so ergreifend, dass einem fast der Atem stehen bleibt vor soviel majestätischer Anmut. Aber: der touristische Kommerz beherrscht alles, die Stadt Jasper ist ein charakterloses, austauschbares Touristenkaff. Wir sind dort schon in der Touristeninformation nicht mit der sonst üblichen kanadischen Gastfreundschaft behandelt worden. Und die unzähligen Reisebusse mit japanischen, deutschen und amerikanischen Insassen und ihrer trampeligen Art haben uns echt angewidert. Nein Danke! Wir hatten, nach all den schönen Erlebnissen vorher, jetzt das Gefühl, dass diese Horden knipsender Ignoranten der grandiosen Natur ihre ganze Würde nehmen. Wir hoffen nur, dass dem Yukon nicht auch eines Tages ein solches Schicksal ereilen wird. Wir sind wirklich froh, das wir den grössten Teil dieses Landes echt und unverfälscht erleben durften.


Torsten am 07.09.2001 in Anaconda/Montana (USA):

Noch eine kleine Anmerkung zum Wetter: gestern sind wir noch bei 30 Grad mit kurzen Hosen herumgelaufen, und heute: dichtes Schneetreiben!


Christiane am 15.09.2001 in Bear Lake/Idaho (USA):


Yellowstone
Wapiti
Yellowstone
Squirrel
Buffalo
Buffalo 2
Canyon
Yellowstone Canyon
tote Baeume
Yellowstone

Bei der Planung unserer Route durch Amerika, hätten wir nie gedacht, dass wir den Yellowstone Nationalpark sehen würden. Doch mit der änderung unseres Abfluges von Vancouver nach San Francisco rückte dieser Nationalpark fast direkt auf unsere Reiseroute. So beschlossen wir, uns diesen berühmten Park anzusehen. Gleich auf dem ersten Campingplatz im Park kam uns ein Ranger entgegen und warnte uns vor dem ortsansässigen Platzhirsch. Dieser Hirsch war brünftig und vertrieb eifersüchtig alles und jeden, der seinen Kühen zu nahe kam. Das schloss Autos und Menschen ein. In der folgenden Nacht suchte sich dieser Hirsch ausgerechnet die Wiese neben unserem Zelt als Arena für sein Brunftspektakel aus. Er hielt uns die ganze Nacht mit seinen seltsam fiepsigen Brunftrufen wach. Dennoch blieben wir lieber still in unserem Zelt liegen, damit der Hirsch uns nicht versehentlich für seine Rivalen halten würde. Am folgenden Tag begannen wir uns im Nationalpark umzuschauen und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Buffalo 3
Büffelherde in Yellowstone

Heisses Wasser strömte aus Felsen und hinterliess terrassenförmige, weisse Kalkgebilde. Blubbernde, dampfende Schlammlöcher trugen so passende Namen wie Teufelsloch und Drachenschlund. Es gab Geysire, die regelmässig oder völlig unvorhersehbar kochendes Wasser in die Luft spritzten. Selbst nachts konnten wir die Geysire zischen und donnern hören und der nach Schwefel riechende, oder besser stinkende, Dampf lag über weiten Teilen des Parks. An manchen Stellen sah es so aus, wir ich mir als Kind die Hölle vorgestellt hatte.

Yellowstone 1

Yellowstone 2

Yelowstone 3
Wunder der Erde in Yellowstone

Wir fotografierten so viel wie auf der ganzen Reise noch nicht. Es gab heisse ,Quellen die in allen Regenbogenfarben leuchteten und auch die Wände des bizarren Canyons im Yellowstone schimmerten bunt. Büffelherden kreuzten unseren Weg und abends traf man sich mit anderen Campern auf einer grossen Wiese um das Schauspiel der Hirschbrunft zu beobachten. Jeden zweiten Tag suchten wir uns einen anderen Campingplatz für unsere Erkundungen.

Doch dann kam der 11. September.

Torsten rief zufällig an diesem Tag in Hamburg an und über diesen Umweg erfuhren wir von den schrecklichen Terroristenattacken auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington. Wir schalteten das Autoradio ein und hörten den ganzen Vormittag wie gelähmt den Schreckensmeldungen zu. Wir wussten nicht, was wir tun sollten. Wir riefen unsere Familien an, um ihnen zu sagen, wo wir sind und dass mit uns alles in Ordnung ist. Was blieb uns dann anderes übrig, als uns weiterhin im Park umzuschauen. Doch wir hatten das Gefühl, dass die Stimmung sehr gedämpft war. Die anderen Touristen, fast ausschliesslich Amerikaner, waren sehr ruhig. Hier und da hörten wir gedämpfte Gespräche und viele Leute lauschten den Nachrichten im Radio.
Es war gespenstisch, den ganzen Tag kein einziges Flugzeug am blauen Himmel zu sehen.
Als wir wieder einmal auf einem Parkplatz standen und die neusten Nachrichten im Radio verfolgten, kam ein amerikanisches Paar und fragte, was denn los sei. Sie hatten noch gar nichts mitbekommen. Torsten fasste die schlimmen Ereignisse des Tages für sie zusammen. Mit weit aufgerissenen Augen hörten die beiden zu. Die Frau fing an zu weinen. Mit einem Nicken bedankten sie sich schweigend bei uns und gingen weg.
Amerika ist seit dem nicht mehr das Gleiche, auch wenn inzwischen wieder Flugzeuge über uns .hinweg fliegen Im Radio hört man kein anderes Thema und man kann die Angst der Menschen vor neuen Anschlägen spüren. Die Fahne der Vereinigten Staaten von Amerika hängt überall auf Halbmast.
Auch uns wird bei dem Gedanken an unseren nächsten Flug ein wenig mulmig. Wir hoffen nur, dass so etwas schreckliches nie wieder passiert.


Torsten am 19.09.2001 in Ely/Nevada (USA)

Nevada
eine wirklich hübsche Wüste

Nevada ist ein hübsches Stück Wüste - wenn ich schon den Namen höre, bekomme ich sofort stechenden Durst!
Die grosse Vielfalt des amerikanischen Kontinents hat uns auch hier wieder neue Erfahrungen beschert. Hier ist es knochentrocken und abartig heiss! Bären gibt es hier zwar nicht, aber dafür ein paar andere liebreizende Gestalten, denen man lieber aus dem Weg gehen sollte: Pumas, Klapperschlangen und Stinktiere.
Zum Glück sind solche Begegnungen recht rar - und Skunks sieht (und riecht) man zumeist nur plattgewalzt als Roadkill auf dem Asphalt. Für diejenigen, die sich darunter nichts vorstellen können, hier eine kleine Beschreibung dieses Brechreiz fördernden Duftes: es erinnert an eine Mischung aus verfaultem Bier, verbranntem Gummi und den Abgasen einer Raffinerie. Kein stechender Geruch, es kriecht einem langsam in die Nase und hält sich dann extrem hartnäckig. Wir haben diese Erfahrung zum Glück nur indirekt gemacht, als wir mit unserem Van an toten Skunks vorbeigefahren sind. Wir hatten den Gestank trotz weit geöffneter Fenster bei voller Fahrt noch Minuten später im Auto. Wie muss das erst sein, wenn man von so einem Tier eingenebelt wird?
Ansonsten könnte man über Nevada noch berichten, dass nicht nur in Las Vegas kräftig gezockt wird. Spielhöllen gibt es in jedem kleinen Nest in der Wüste. Damit ist das Angebot an Freizeitaktivitäten aber auch schon weitgehend erschöpft, wer geht schon bei so einem Klima wandern oder treibt gar Sport? Aber es lohnt sich auf jeden Fall, mal für 2-3 Tage mit dem Auto durch Nevada zu fahren - wer extreme Landschaften liebt, kommt hier voll auf seine Kosten!

Nevada


Torsten am 27.09.2001 in San Francisco/California (USA):

Jetzt sitzen wir hier in einem fast leeren Hotel. Wir haben über 50% Discount bekommen. Gut für uns, aber nach den entsetzlichen Ereignissen in New York und Washington absolut symptomatisch für die gegenwärtige Lage. Kaum Flugverkehr, keine Reisenden, die irgendwo untergebracht sein wollen. Die Angst vor neuen Anschlägen legt sich erst langsam.
Und wir warten jetzt hier auf unseren Abflug. Aus diversen Gründen ist es absolut unsicher, ob und wann wir hier wegkommen, hoffentlich wie geplant am kommenden Sonntag. Es sah zwischendurch so aus, als wollten die Fluggesellschaften unser teures Round-The-World-Ticket für ungültig erklären, das hätte dann für uns das vorzeitige Ende unserer Reise bedeutet.
San Francisco ist zwar eine schön anzusehende Stadt, aber für uns ist hier einiges einfach ziemlich dumm gelaufen. Unsere Ankunft in der Stadt, die Suche nach nach einer Unterkunft, der Verkauf unseres Vans und letztendlich der Ärger mit den Fluggesellschaften haben uns in einer fast schon lächerlichen Pechsträhne tagelang den letzten Nerv geraubt und uns fast zum Abbruch der Reise getrieben.
Hinzu kommt, dass uns die vielen Menschen hier, nach soviel Natur, irgendwie seltsam vorkommen. Schwer zu beschreiben, seltsam eben, viele Leute sehen auch irgendwie blass und krank aus. Draussen auf dem Land war das wirklich ganz anders. Egal, wir freuen uns darauf, hier wegzukommen und ein neues Ziel vor uns zu haben. Wenn (doch noch) alles glatt geht, sind wir am 2.Oktober in Auckland/Neuseeland.

weiter: Oktober 2001






Tagebuch einer Weltreise © Torsten + Christiane Herrmann 2001/2002