Tagebuch einer Weltreise


April: Iowa, Illinois, Kentucky, Tennessee, Georgia
Mai: North Carolina, Tennessee, Ontario, Quebec, Maine, New Brunswick, Nova Scotia
Juni: Nova Scotia, Neufundland, Labrador
Juli: Quebec, Ontario, Manitoba, Saskatchewan, Alberta, British Columbia, Yukon Territory, Alaska 
August: British Columbia, Yukon Territory, Northwest Territories, Alaska
September: British Columbia, Alberta, Montana, Wyoming, Idaho, Utah, Nevada, California
Oktober: Neuseeland; Northland, Marlborough
November: Marlborough (NZ); Australien: Victoria
Dezember: Victoria, New South Wales

Januar: Queensland

Februar: Thailand
März: Deutschland


Torsten am 02.01.2002 in Mackay/Queensland (Australien):

Für unsere Flucht vor den Waldbränden in New South Wales haben wir uns lieber erstmal ein Auto besorgt. Das mit dem Bus war uns zu lästig, denn die Busgesellschaft (Greyhound) hat sich wegen der Fahrräder so blöde angestellt, dass uns echt der Kragen geplatzt ist. Mit anderen Bus- und Zuggesellschaften war das bisher nie ein echtes Problem. Aber leider hatten wir keine Wahl, jetzt haben wir seit letztem Freitag einen Toyota Camry und unsere Bikes passen perfekt in den Kofferraum.
Es war gut, rechtzeitig aus der Nähe der Brände zu verschwinden. Als wir am vergangenen Freitag aus Batemans Bay losgefahren sind, lag schon dicker Rauch über der Küste, die Sonne war nur noch als oranger Ball zu sehen, die Luft mehr als stickig - dabei waren wir zu dem Zeitpunkt noch sichere 100km von der verheerenden Feürwalze entfernt.
Den Raum Sydney haben wir tagelang weiträumig umfahren. Die Klimaanlage im Auto ist ein echter Hit, denn Temperaturen in der trockenen Hitze des Inlands lagen in New South Wales zumeist so um die 40 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von nur 5 Prozent. Kein Wunder, dass die 15000 Feuerwehrleute bei diesen Bedingungen überhaupt keine Chance gegen das Feuer haben.
Hier im tropischen Norden ist es zwar auch recht warm - zwischen 35 und 40 Grad - aber die relative Luftfeuchtigkeit liegtt knapp unter 100 Prozent und alles ist richtig quietschegrün, echter Dschungel. Von den Feuern haben wir hier bestimmt nichts zu befürchten.


Christiane am 06.01.2002 Arlie Beach/Queensland (Australien):

Vor etwas mehr als einer Woche haben wir uns ein Auto gemietet, um den Waldbränden in New South Wales zu entkommen. Fahrradfahren hatte dort sowieso keinen Spass mehr gemacht. Die Hauptsaison hatte am 2. Weihnachtsfeiertag (Boxing Day) begonnen und das Radfahren wurde richtig gefährlich auf den überfüllten Strassen. Dann kamen noch die verheerenden Waldbrände hinzu, die uns nicht nur den Weg abschnitten sondern auch noch die Luft zu atmen nahmen. Wir mussten da raus!! Die Buslinien, die durch Batemans Bay fuhren, stellen sich unbegreiflich an, was unsere Räder und unsere Gepäckmenge betraf. So hatten wir kaum eine andere Chance, als uns ein Auto zu mieten. Mit etwas Geschick passten unsere Fahrräder dann auch in den Kofferraum unseres Toyota Camry.
Am Abend vor unserer Abfahrt bekamen wir dann unerwarteten Besuch. Unsere Schweizer Freunde Cornelia und Jean-Pierre, die wir in Neuseeland kennengelernt hatten, tauchten auf unserem Campingplatz auf! Die Beiden waren auf dem Weg von Norden nach Süden - und trotz verschiedener Kontaktaufnahme-Versuche per e-Mail, hatten wir nicht mehr geglaubt, dass sich unsere Wege in Australien noch einmal kreuzen. Umso schöner war der Abend mit diesen "alten Bekannten", der mit dem Austauschen unserer Reiseerlebnisse leider wir im Fluge verging.
Mit dem neuen Fortbewegungsmittel machten wir uns dann am folgenden Morgen so schnell wie möglich in Richtung Norden auf. Dennoch dauerte es noch über zwei Tage, bis wir die Waldbrandgebiete endgültig hinter uns gelassen hatten. Silvester feierten wir "auf der Flucht" in einem Motel im Nirgendwo -- eine Stunde zu früh, wie wir später fest stellten. Wir hatten nicht mitbekommen, dass man in Queensland keine Sommerzeit hat!
Nun sind wir in den Tropen von Queensland angekommen. Es ist hier über 35 Grad warm und unglaublich schwül. Die erste Nacht in Mackay haben wir versucht, in unserem Zelt zu schlafen. Die Schlafsäcke hatten wir gleich im Auto gelassen und uns nur auf unsere Badetücher gelegt. Diese und die T-Shirts, die wir trugen, konnten wir nach einer fast schlaflosen Nacht nur noch in den Wäschetrockner stecken.
Am nächsten Tag besuchten wir den privaten Illawong Wildpark in Mirani. Die Attraktionen dieses Parks waren 3 Freshies=Süsswasserkrokodile und 2 Salties=Salzwasserkrokodile. Diese Giganten, die in dieser Gegend auch in freier Wildbahn vorkommen, zeigten uns bei die Fütterung gehörig die Zähne. Ausserdem gab es im Park andere einheimische Tiere, wie die Koalas, aus nächster Nähe zu sehen. Besonders hatten es uns die sprechenden Kakadus angetan. Nach der Führung kühlten wir uns im Pool ab.
Christel, eine Deutsche, und ihr Mann Warren, hatten auf ihrem Gelände ein Zimmer mit Halbpension zu vermieten und weil es uns dort so gut gefiel, blieben wir gleich da! Als sie uns dann für die zweite Nacht im Preis auch noch erheblich entgegenkamen, verlängerten wir auch noch. So hatten wir am nächsten Tag die Gelegenheit und dass Glück, im nahegelegenen Eungella National Park die seltenen und seltsamen Schnabeltiere in freier Wildbahn beobachten zu können.
Doch die beiden Abende auf der Holzterrasse in Illawong bleiben auch unvergessen. Wir tranken Wein zu Christels leckerem selbstgekochten Abendessen, genossen ein frischgemachtes Mangoeis und unterhielten uns mit den redseligen und verschmusten Kakadus: Major, Charly, Maxi und Johnny. Major, ein Pinker Kakadu, ist schon 90! Jahre alt und sein vielseitiger Wortschatz lässt auf ein ereignisreiches Leben schliessen.
Nach diesen beiden wunderbaren Tagen fuhren wir weiter an die Küste. Mit unserem Auto konnten wir den 'normalen' Touristenattrakionen nun doch nicht völlig widerstehen. Die Whitsunday-Inseln zogen uns an. Eigentlich wollten wir uns den traumhaften Whitehaven Beach ,anschauen aber alle Tourboote waren schon ausgebucht und so beschlossen wir, uns für einen Tag das 'Great Barrier Reef' anzuschauen. Eine Touristentour wie sie im Buche steht! Mit 280 Urlaubern wurden hinaus transportiert zu einer schwimmenden Plattform namens 'Reefworld'. Aber bei aller Skepsis, das Schnorcheln am Great Barrier Reef war traumhaft. Die Vielfalt der Korallen und die Menge an bunten Fischen war atemberaubend! Wir blieben so lange in dem warmen Wasser bis unsere Finger schrumpelig wurden und kamen nur an Deck, um uns an dem leckeren Buffet gütlich zu tun. Alles in allem hat sich die Tour voll gelohnt, auch wenn der Januar wiedermal ein teurer Monat zu werden droht.
Übrigens, wir haben uns hier auf dem Campingplatz in Arlie Beach eine Hütte mit Klimaanlage gemietet. Unsere norwegisches Bergzelt können wir wohl bald nach Hause schicken. Keine zehn Pferde kriegen mich noch einmal in diese Sauna!


Christiane am 13.01.2002 Scarborough/Queensland (Australien):

Wir waren schon auf dem Rückweg nach Brisbane. Die zwei Wochen, für die wir uns ein Auto gemietet hatten, waren schon fast um. Dennoch wollten wir die Gelegenheit nutzen, noch ein bisschen "Sightseeing" zu machen und folgten den Empfehlungen des Reiseführers.
In Bundaberg besuchten wir eine Rumdistillerie. Der "berühmte" Bundaberg Rum wird hier gebraut. Das nötige Zuckerrohr wird auf den die Stadt umgebenden Feldern überall angebaut. Und obwohl wir vorher noch nie etwas vom diesem Rum gehört hatten und die Führung auch eher eine Werbeveranstaltung war, war die nachfolgende Rumprobe sehr lustig. Wir lernten noch ein deutsches Paar kennen und mit ein bisschen Rum im Kopf kam man auch viel schneller ins Gespräch. Am Abend wollte ich unbedingt die Meeresschildkröten besuchen, die in der Nähe von Bundaberg ihre Eier legen. Torsten hatte dazu weniger Lust, weil das Ganze mit reichlich Warten verbunden war. Die beiden Deutschen, Sigrid und Klaus aus Mainz, sprachen allerdings auch davon, am Abend die Schildkröten zu besuchen. So würde ich wenigstens nicht alleine sein.
Als ich dann Abend in der Schlange am Naturreservat stand, um mir einen guten Platz in der Reihe der Schilkrötenfreunde zu sichern, kamen Siegrid und Klaus dann auch an. Die beiden hatten das Glück, dass sie sich zu mir stellen konnten und nicht hinten anstellen mussten. Gemeinsam kamen wir in dass Center und wurden in die Gruppe 2 eingeteilt. Je nach Eintreffen, wurden nämlich alle Besucher Gruppen zugeteilt. Und dann hiess es warten und Geduld beweisen. Es wurden Videos gezeigt und viel über die Meeresschildkröten erzählt, die nur in der Nacht an den Strand kommen, um ihre Eier abzulegen. Die Zeit wurde uns nicht lang, denn es war sehr nett, sich mit Sigrid und Klaus zu unterhalten. Wir tauschten Reiseerfahrungen aus und gaben uns gegenseitig Tips. Als es plötzlich hiess, die erste Gruppe solle sich sammeln, um an den Strand geführt zu werden, kam Aufregung in alle Besucher. Doch wir mussten noch warten, wir waren ja in der zweiten Gruppe. Doch endlich so gegen halb elf wurde dann auch die zweite Gruppe gebeten, sich zu sammeln. Bei völliger Dunkelheit wurden wir an den Strand geführt. Als wir die Schildkröte erreichten, hatte es sich diese allerdings anders überlegt und verschwand gerade wieder im Wasser. Doch alleine dieses Tier zu sehen, war schon umwerfend. Ein Panzer, der alleine Über einen Meter lang war und ein Kopf, fast so gross wie ein Fussball. Das Urtier, dass ohne weiteres schon achtzig Jahre alt war, schaute sich noch einmal um und verschwand dann aber doch wieder im Wasser. Kein Wunder, wer hat schon Lust, vor einer Zuschauergruppe seine Eier zu legen! Also mussten wieder zurück zum Besucherzentrum und wieder warten.
Doch es dauerte nicht lange, bis sich wieder eine Schildkröte sehen lies. Diesmal war das Urtier schon dabei, sein Nest zu graben, als unsere Besuchergruppe zu ihr geführt wurde. Wir durften nur hinter ihr stehen und die Schildkröte wurde auch nur mit einer einzigen kleinen Taschenlampe beleuchtet, um sie nicht zu verschrecken. Dennoch konnte jeder beobachten, wie Pingpongball-grosse Eier in das Loch purzelten, dass sie sich gerade mühsam mit den Hinterflossen gegraben hatte. Langsam durften wir den Kreis um die Schildkröte schliessen, denn in diesem Stadium sei sie nicht mehr schreckhaft, erklärten uns die Ranger. Wir durften sogar jeder einmal ihren Panzer anfassen. Diese Loggerhead Schildkröte war noch ein "junges" Tier. Sie war erst etwa 40 Jahre alt und hatte einen Panzer von 83cm Länge. Da dieses Tier dieses Jahr zum erstenmal aufgetaucht war, wurde sie nach ihrer Eiablage von Rangern abgeholt, um sie zu markieren und registrieren. Dass fanden wir sehr traurig, denn wir wollten so gerne noch sehen, wie sie wieder im Wasser verschwindet. Doch erst einmal durften alle helfen, das Nest der Schildkröte zu verlagern. Sie hatte es ein wenig zu weit unten gegraben und nun waren ihre wertvollen Eier von der Flut bedroht. So gruben die Ranger einige Meter höher ein Nest und liessen jeden von uns ein paar Eier hochtragen. Die waren erstaunlich kalt und ganz rund. Danach war die Führung eigentlich beendet und unsere Gruppe sollte nun wieder zum Besucherzentrum geführt werden.
Doch Sigrid bohrte so lange bei der Rangerin nach, wo denn jetzt die Schildkröte wieder frei gelassen würde, dass diese über Funk für uns nachfragte. So bekamen wir drei eine Sonderbehandlung und wurden über den dunklen Strand an die Stelle geführt, an der die Schildkröte in Kürze wieder ausgesetzt wurde. Wir sollten dort warten und auf keinen Fall Licht machen, denn dass schreckt andere Schildkröten davon ab, an Land zu kommen.
Es dauerte nicht lange und es erschienen zwei Ranger mit "unserer" Schildkröte auf einer Schubkarre. Man setzte sie auf den Sand und gab ihr ein wenig die Richtung vor, um zum Wasser zu finden. Da setzte sie sich in Bewegung. Man konnte richtig sehen, wie anstrengend es für so ein Tier sein muss, sich auf dem Land fortzubewegen. Doch schliesslich hatte sie das Wasser erreicht. Noch ein paar Wellen und sie war in der Dunkelheit verschwunden. Zu dritt standen wir am dunklen Strand und schauten diesem wunderschönen Urtier hinterher, in der Hoffnung, dass auch noch folgende Generationen das Glück haben, diese Tiere zu bestaunen.


Torsten am 18.01.2002 Scarborough/Queensland (Australien):

Unser norwegisches Bergzelt ist schon auf dem Heimweg! In einem von insgesamt 3 Paketen mit Material, das in diesem Klima für uns keinen Nutzen mehr hat. U.a. in Begleitung von Bergstiefeln, 3-Lagen Gore-Tex Regenkleidung (sehr nützlich in Neuseeland), 'Polarguard'-Schlafsäcken und unseren Fleece-Sachen, wird sich unser Zelt auf der dreimonatigen Seereise bestimmt nicht so alleine fühlen. -Und wir haben uns damit auf einen Schlag von insgesamt fast 20kg lästigem Gepäck befreit. Im Austausch für das Zelt und die Schlafsäcke haben wir jetzt ein preiswertes australisches Aluzelt mit unglaublich vielen Belüftungsmöglichkeiten und ein paar dünne Bettlaken. Reicht völlig aus, um in diesem Klima draussen gut schlafen zu können.
Seit ein paar Tagen ist die tropische Hitze verschwunden, es ist schlagartig um ca. 10 Grad abgekühlt, tagsüber sind es 'nur noch' um 30 Grad, nachts sogar nur um 20 Grad, und das alles bei einer leichten Seebrise. Sehr angenehm, offensichtlich auch für die Australier, denen Tagestemperaturen unter 30 Grad grundsätzlich zu kalt - und über 30 Grad grundsätzlich zu heiss sind. Nach zweieinhalb Monaten 'Down Under' haben wir Nordländer tatsächlich genau das gleiche, befremdliche Temperaturempfinden entwickelt. Zuhause, im Arbeitsalltag, würde mich ein solches Wetter in eine tiefe Krise stürzen - viel zu heiss! Vielleicht aber auch nur wegen der fehlenden Seebrise.
Seit genau einer Woche sind wir wieder ohne Auto. Da wir in zwei Wochen von Brisbane aus nach Thailand fliegen, und uns jetzt nur noch unsere Fahrräder als Fortbewegungsmittel zur Verfügung stehen, haben wir uns die 'Redcliffe' Peninsula (Halbinsel) ca. 30 km nördlich von Brisbane als letzte Station unseres Aufenthaltes in Australien ausgesucht. Hier ist der ideale Ausgangspunkt für die unterschiedlichsten Tagesaktivitäten, und trotz der relativen Nähe der Millionenstadt bieten sich genügend Rückzugsmöglichkeiten vom Touristenkommerz. Wir stellen ausserdem mit Freuden fest, dass die Hauptsaison langsam aber sicher ihrem Ende entgegen geht.
Unsere Reise geht jetzt auch zünde. Ich weiss gar nicht so recht, wie ich das jetzt gebührend kommentieren soll, ich dachte immer, wenn es soweit ist, muss ich unbedingt eine philosophische Betrachtung darüber verfassen. Aber ausser "schade eigentlich" fällt mir nicht viel dazu ein.
Also: wir haben nur noch 5 Wochen, dann ist unsere Reise zuende. Schade eigentlich.


Christiane am 25.01.2002 Brisbane/Queensland (Australien):

Es wurde wieder einmal Zeit, sich aufs Fahrrad zu schwingen. über eine Woche lang war es uns zu heiss zum radfahren. Diese Zeit verbrachten wir auf der Redcliffe Halbinsel vor Brisbane. Ein neues, aber preiswertes australisches Zelt mit viel Luftzug half uns, die Hitze zu ertragen. Nach ein paar Tagen wurde es wieder etwas angenehmer oder wir gewöhnten uns einfach an die Temperaturen. Jedenfalls wollten wir wieder radfahren. Die Glashouse Mountains hatten wir schon auf der Autofahrt nach Brisbane bestaunt. Nun wollten wir diese bizarren Berge aus der Nähe von Fahrrad aus betrachten.
Von der Redcliffe Halbinsel aus fuhren wir in Richtung Inland. Wir hatten uns wegen der Temperaturen immer nur kurze Tagesetappen von nicht mehr als vierzig Kilometern vorgenommen. Auch mussten wir darauf achten, genug Wasser dabei zu haben, um nicht beim radfahren zu dehydrieren.
Eben diesen Wasservorrat hatte ich schon fast ausgetrunken, als wir nur fünf Kilometer vor unserem Tagesziel plötzlich Rauch sahen. Nicht schon wieder!! Ein - wenn auch kleines - Buschfeuer vernebelte die Hügel vor uns. Fast eine halbe Stunde sassen wir am Strassenrand und überlegten, was wir nun tun sollten. Umdrehen und in die nächste Stadt zurück oder weiter nach Dayboro, unserem angestrebten Ziel? Für den Rückweg hatten wir nicht mehr genug Wasser und vor uns war der Rauch, den wir nicht gerne einatmen wollten. Dennoch entschieden wir uns dafür, die 5 km zu riskieren. Schon nach wenigen Strassenwindungen stellten wir erleichtert fest, dass dies die richtige Entscheidung war. Der Wind blies den Rauch nämlich in eine völlig andere Richtung. Als wir nach einer halben Stunde in Dayboro ankamen, gab es von dem Waldbrand kein Zeichen mehr.
Die Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit gestaltete sich in Dayboro sehr einfach: Es gab nur ein einziges Hotel. Das ca. hundert Jahre alte Holzhaus war das älteste Gebäude im Dorf. Die Gästezimmer lagen im ersten Stock über der Bar. Als Torsten sich das einzige freie Zimmer zeigen ließ, sagte der Wirt, wir sollten uns nicht vom Hausgeist stören lassen. Ob dies nun das einzige freie Zimmer war, oder das einzige Zimmer, das in diesem Hotel vermietet wurde, war uns nicht klar. Jedenfalls haben wir keine anderen Ubernachtungsgäste gesehen. Vor unserem Zimmer lag eine Veranda, die sich über die ganze Front des Hauses erstreckte. Von hier aus konnten wir die ganze Dorfstrasse heruntersehen. Gesäumt wurde dieser Ausblick von zwei uralten Benjamini Bäumen.
Seit wir in Australien zum ersten mal so ein Dorfhotel gesehen haben, wollte ich mal in einem solchen übernachten. Da störte die Tatsache, dass das Zimmer klein und das Bett eng, wackelig und durchgelegen war, nur wenig.
Dafür genossen wir am Abend ein ausgezeichnetes Countermeal für nur 6 Dollar. Countermeals, dass sind Gerichte, die man am Counter, dem Bar-Tresen, bestellt und bezahlt. Der fehlende Service wirkt sich positiv auf den Preis aus, die Qualität der Gerichte kann sich jedoch oft mit denen in einem guten, deutschen Restaurant vergleichen lassen. Diese Erfahrung haben wir vor allem im ländlichen Australien gemacht.
Am folgenden Tag machten wir uns ausgeschlafen wieder auf den Weg. Es galt, den Mount Mee zu erklimmen. Die Fahrt den Berg hinauf war lang und anstrengend. Nicht weil es so steil war, sondern weil es wieder einmal die Temperaturen waren, die vor allem mir zu schaffen machten. Wann immer ich ein wenig Schatten am Strassenrand fand, machte ich ein paar Minuten Pause, um wieder etwas abzukühlen. So kam ich auch erst zehn Minuten nach Torsten oben an.
Als wir erstmal auf der Anhöhe waren ging die Fahrt angenehm auf dem Berggrat weiter. Die Glashouse Mountains konnten wir schon hin und wieder aus der Ferne sehen. Noch konnte man ihre bizarren Formen jedoch nur erahnen.
Die Nacht verbrachten wir in einem Motel in Woodford. Der Besitzer dieses Motels war der richtige Ratgeber für die Strecke des nächsten Tages. 12 km loser Schotter aber keine grossen Steigungen, sagte er uns voraus. Eine Strecke, wie wir sie in Kanada Wildstrasse genannt hätten.
Dennoch kamen wir am folgenden Tag erstaunlich gut voran. Da es fast keinen Verkehr gab, konnten wir die ganze Breite der Strasse nutzen. Der Wald durch den wir fuhren, spendete angenehmen Schatten. Auf einer kurzen, aber sehr steilen Bergabfahrt wurde es mir plötzlich zu schnell. Ich versuchte, zu bremsen, um auf dem unebenen Weg mein Rad besser unter Kontrolle halten zu können. Das bewirkte leider genau das Gegenteil, denn ich geriet ins Rutschen. Auf dem losen Untergrund fanden die Reifen keinen Halt mehr. Irgendwie schaffte ich es trotzdem mein Gleichgewicht zu halten und statt den Berg herunter zu fahren, schlitterte ich bis zum Fusse. Danach begegnete ich dieser Schotterpiste mit wesentlich mehr Respekt. Nach zwei Stunden Fahrt kamen wir endlich am Glashouse Mountain Aussichtspunkt an. Wieder einmal wurden wir von den anderen, autofahrenden Besuchern bestaunt. Ein gutes Gefühl!
Doch dann zog uns der Anblick der Berge in ihren Bann. Uralte Vulkane, die soweit erodiert waren, dass nur noch nackte Felsen aus der Landschaft ragen. Diese Stümpfe erinnerten mich an einzelne Zähne, die in der Ebene stehen. Kein Wunder, dass die Aboriginals glaubten, diese Berge seien eine versteinerte Familie. Bei Regen müssen sie noch einmal ganz besonders aussehen, denn Captain Cook nannte sie Glashouse Mountains, nachdem er sie nass in der Ferne schimmern sah. Wir hingegen waren froh, dass uns auf dieser Radtour einmal der Regen erspart geblieben war.


Torsten am 29.01.2002 Brisbane/Queensland (Australien):

Letzte Woche haben wir nochmal so richtig aufgedreht: Fahrradtour in den Glasshouse Mountains. Es war nach so langer Pause ein fast schon nostalgisches Erlebnis, mal wieder auf dem Fahrrad durchs 'Landesinnere' zu fahren und dabei unglaubliche Mengen an Flüssigkeit auszuschwitzen. Unser täglicher Flüssigkeitsumsatz lag mit dem morgendlichen Kaffee und dem wohlverdienten abendlichen Zischbier deutlich über 10 Liter pro Nase.
Eine Tour auf einsamen 'dirt roads' (Schotterpisten) ist das, was uns am Radfahren in Australien von Anfang an am besten gefallen hat, auch wenn diesmal der dazugehörige, obligatorische Speichenbruch an meinem vorbelasteten Hinterrad (vgl. Eintrag vom 24.12.01) kurzzeitig einigen Unmut bei mir hervorgerufen hat.
Die Bilanz kann sich sehen lassen: insgesamt haben wir ziemlich genau 3000 km auf unseren Drahteseln zurückgelegt, davon 800 km in Neuseeland. Besonders abwechslungsreich war dabei das Wetter: von wochenlangem Dauerregen über orkanartigen Sturm, Hagel, Schnee, mal staubiger und mal schwüler Hitze, apokalyptischen Gewittern (mit anschliessender überschwemmung) und sogar Waldbränden haben wir in den letzen 4 Monaten auf dem Fahrrad wirklich nichts ausgelassen. Obwohl vor allem der kalte Regen und Sturm uns manchmal die letzten Nerven gekostet hat: das war absolut spannend und Leben pur - echt super!

Weiter: Februar 2002






Tagebuch einer Weltreise © Torsten + Christiane Herrmann 2001/2002