April: Iowa, Illinois, Kentucky, Tennessee, Georgia
Mai: North Carolina, Tennessee, Ontario, Quebec, Maine, New Brunswick, Nova Scotia
Juni: Nova Scotia, Neufundland, Labrador
Juli: Quebec, Ontario, Manitoba, Saskatchewan, Alberta, British Columbia, Yukon Territory, Alaska
August: British Columbia, Yukon Territory, Northwest Territories, Alaska
September: British Columbia, Alberta, Montana, Wyoming, Idaho, Utah, Nevada, California
Oktober: Neuseeland; Northland, Marlborough
November: Marlborough (NZ); Australien: Victoria
Dezember: Victoria, New South Wales
Januar: QueenslandFebruar: Thailand
Christiane am 03.02.2002 in Kata/Phuket (Thailand):
Was für ein Kulturschock. Vorletzte Woche waren wir noch ein paar Tage durchs ländliche Australien geradelt. Auf manchen Strassen waren wir nicht mal einem Auto begegnet. Dann haben wir eine Woche in Brisbane verbracht. Dort war es schon recht belebt, aber wenigstens haben wir die Sprache verstanden und das Leben begriffen.
Gestern sind wir nun nach Thailand geflogen. Dies ist so ganz anders, als alles was ich bisher gesehen habe. In Bangkok begannen die Schwierigkeiten mit dem finden unseres Gates für den Weiterflug nach Phuket. Es war voll, es war laut, und das freundliche Bodenpersonal von Thai Airways schien nicht recht zu verstehen, was wir von ihnen wollten - oder wir haben sie nicht verstanden. An den Thai-Akzent im Englischen muss ich mich auch erst gewöhnen. Man darf einfach nicht mit R-Lauten rechnen, dann geht es.
Nach einigem hin und her haben wir unser Gate jedenfalls gefunden und die Reise ging problemlos weiter nach Phuket. Unsere Fahrräder, die gut in Kisten verpackt in Phuket ankamen, konnten wir bei der Gepäckaufbewarung unterbringen. Nun haben wir nur noch zwei leichte Rucksäcke für unser Thailand Abenteuer bei uns.
Mit dem Taxifahrer verhandelte ich über den Preis nach Kata und habe mich doch gleich von ihm übers Ohr hauen lassen. Lehrgeld bezahlt man am Anfang immer... aber die Fahrt war ihr Geld wert. Eine Stunde lang wurden wir Zeugen des thailändischen Verkehrs. Da es schon dunkel war, konnten wir durch die getönten Scheiben nicht viel sehen. Das machte es nur noch bedrohlicher. Unser Fahrer lieferte sich auf einer einspurigen Strasse, die dreispurig genutzt wurde, Rennen mit einem "Freund". Dazwischen telefonierte er wortreich auf Thai und das einzige was wir verstanden war "O.K.-O.K.".
Aber am meisten beeindruckten mich die Mopedfahrer. Die fuhren in einem, für mein empfinden halsbrecherischen Tempo - ohne Helm und zum Teil ohne Licht. Sie überholten sich gegenseitig, wurden überholt und bogen auch mal unvermittelt nach rechts ab (im Linksverkehr). Auf diesen Mopeds sassen nicht etwa nur leichtsinnige Jugendliche. Nein, ganze Familien fanden auf einer Maschine Platz. Vorne ein kleines Kind auf dem Tank, dahinter der Vater, ein Kind in der Mitte und die Mutter hinten drauf. Zum Teil mit den ganzen Wocheneinkäufen dazu. Ein Stapel Eier-Kartons wurde balanciert oder Tüten voll Gemüse hingen an beiden Seiten herunter. Am meisten Angst bekam ich, als ich eine Frau sah, die freihändig hinten sass und ein Baby im Arm hielt. Aber niemand sonst schien sich daran zu stören. Die Hupe wurde von Autofahrern wie Mopedfahrern häufig eingesetzt und scheint hier genutzt zu werden, wie anderorts der Blinker.
Ich war froh, als wir in Kata ankamen. Meine Buchung übers Internet hatte geklappt. Man erwartete uns und ein sauberer Bungalow war für uns reserviert. Ab morgen werden wir dann einen thailändischen Kochkurs machen. Den hatten wir auch schon vorher gebucht und wir hoffen so, mehr über diese Kultur zu lernen.
Ich bin sehr beeindruckt von diesem Land. Noch kann ich aber nicht sagen, ob es Liebe wird.
Torsten am 11.02.2002 in Klong Khong Beach/ Ko Lanta (Thailand):
"deep fly lice til blown" - das war der Lieblingssatz unserer thailändischen Kochlehrerin. Ich konnte jedesmal wieder köstlich in mich hineinschmunzeln, denn sie wollte uns damit sagen, dass wir den Reis solange frittieren sollten, bis er braun ist. Eigentlich müsste es heissen: "deep fry the rice until it is brown". Wir hatten viel Spass, der einwöchige Kochkurs war super und hat uns für die nächste Zeit mit reichlich Inspirationen versorgt.
Ansonsten haben sich damit zunächst die positiven Erlebnisse erschöpft. Thailand hat sich uns in der ersten Woche leider nur als laut, hektisch und ziemlich chaotisch präsentiert. Nicht gerade perfekt, um zu relaxen. Es fiel uns anfangs sehr schwer, uns nach so langer Zeit in ausschliesslich englischsprachigen, westlich geprägten Ländern, schlagartig mitten in Asien zurechtzufinden. Alles ist anders: die Kultur, die Sprache, die Schrift, das Essen, der Lebensstandard, die sanitären Verhältnisse und nicht zuletzt auch die anderen Reisenden.
Plötzlich hatten wir in unserer ersten Woche auf Phuket mit Neckermann Pauschaltouristen zu tun. Das bringt neben aller Fremdheit auch recht skurrile Begleiterscheinungen mit sich. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich mein erstes frisches deutsches Mohnbrötchen seit 10 Monaten ausgerechnet in Thailand verspeisen würde. Und in der Bild-Zeitung steht was vom Luder-Streit! - Was ist bei Euch denn los? Wie seid Ihr denn drauf?
Jetzt sind wir seit ein paar Tagen auf Ko Lanta, einer ziemlich hübschen Insel ca. 70 km vor Phuket. Hier gibt's zwar keine Neckermänner, aber dafür ist Ko Lanta ein gar nicht mehr so geheimer Geheimtipp für Individualreisende, wie wir es sind. So, wie ich das sehe, ist von unseren sehr netten Mitreisenden noch keiner auf dem Yukon gepaddelt oder ist gar schon mit einem Hundegespann durch die winterliche Tundra gefahren. Ausser beim Beach-Volleyball und abends beim feiern hat hier niemand einen Antrieb, irgendwie aktiv zu werden. Mal sehen, wann die merken, dass wir eigentlich ganz anders sind.
Christiane am 15.02.2002 in Klong Khong Beach/ Ko Lanta (Thailand):
Ich habe noch nie in meinem Leben so seltsame Früchte probiert, fremdartige Kräuter gesehen oder furchtbare Gerüche gerochen. Air, unsere thailändische Kochlehrerin, führte uns am ersten Tag unseres Kochkurses auf den lokalen Markt - ein Platz, an dem sich meine Sinne überschlugen.
Wir drängelten uns durch die engen Gassen zwischen Ständen, auf denen sich die exotischsten Dinge häuften. Berge verschiedenster Arten von Chillischoten, mal frisch, mal getrocknet, wechselten sich mit Früchten, Kräutern und Gemüsesorten ab, die ich noch nie gesehen hatte. An manchen Ständen gab es rosafarbene Kegel, die bei näherem hinriechen furchtbar nach Fisch stanken und sich als Krabben-Paste entpuppten, eine häufige Zutat in der Thai-Küche. Andere Kegel bestanden aus Curry-Paste in allen Variationen, ebenso unverzichtbar im thailändischen Essen. Es gab Stände, auf denen sich von Fischköpfen bis zu lebenden Krebsen, von Wasserschnecken bis zu Garnelen alles fand, was sich aus thailändischen Gewässern essen lässt. An einem Stand wurde alles vom Rind verkauft, was die Innereien mit einschloss, an einem anderen alles vom Huhn. Das ganze war natürlich ein Fest für Fliegen! Air liess uns an Kräutern riechen und Früchte probieren. über Salmonellen oder andere unangenehme Bakterien darf man sich da keine Gedanken machen... unsere Sinneseindrücke schwankten ständig von ekelerregend bis köstlich.
Die ganze Szene wurde beherrscht von dem ohrenbetäubenden Lärm der vorbeifahrenden Mopeds, dem Stimmengewirr der Menschen und der thailändischen Musik, die aus verschiedenen Ghettoblastern plärrte. Oft konnten wir uns nur schreiend verständigen oder bekamen überhaupt nicht mit, was Air uns erklärte. Ihr herrlicher thailändischer Akzent im Englischen leistete dabei auch keine wirkliche Hilfe.
Airs Küche dagegen war eine Oase der Ruhe. Hier konnten wir Airs ansonsten hervorragendes Englisch wieder gut verstehen. Die Küche selber war ein freistehendes Gebäude mit offenen Wänden und einem Bambusdach. Ein angenehmer leichter Wind half gegen die tropische Hitze, die durch die Gaskocher nur noch unterstützt wurde. Ausserdem blies der Wind gleich alle Fettspritzer und Essensgerüche ins Freie, wo sie entweder verschwanden oder hungrige Besucher anlockten. So kam es oft vor, dass sich Airs Hunde und Katzen auf dem Steinfussboden tummelten. Wie schon erwähnt, muss man in einer thailändischen Küche bei der Hygiene beide Augen zudrücken, nach dem Motto: "was mich nicht tötet, härtet mich ab.." . Wir wollten thailändisch kochen lernen und das gehörte offensichtlich dazu. Was noch dazu gehörte, war Unmengen Gemüse zu schnippeln, Kräuter zu hacken, Krabben zu putzen und - nur mit einem Holzbrett und einem Messerr bewaffnet - ganz feines Hackfleisch selber zu hacken. Das war ein Lärm, wenn wir im Chor auf unsere Bretter einhämmerten! Wir mixten, kochten frittierten und schmorten - und lernten so, eine Auswahl thailändischer Gerichte kennen, von denen mir keines nicht geschmeckt hat. Raffinierte Vorspeisen, würzige Suppen und Salate, Hauptgerichte mit viel Gemüse und frischen Kräutern und unglaublich süsse Desserts haben unser Kochrepertoir erheblich erweitert. Die Schwierigkeit wird nur sein, die vom Thailändischen ins Englische übersetzten Zutaten in Deutschland auf deutsch einzukaufen. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich wirklich alle erforderlichen Currypasten oder frischen Kräuter zu Hause werde kaufen können.
Lustig war es immer, wenn wir unser Essen selber abschmecken sollten und Air mit dem Ergebnis einfach nie zufrieden war. Wenn uns der Schweiss auf der Stirn stand und wir nach Wasser japsten, weil uns das Chilli den Mund verbrannte, sagte Air:"Oh-very very mild!" -sehr sehr mild.
Wir haben viel gelacht, vor allem, als wir in die Geheimnisse des Mai Thai-Cocktails eingeweiht wurden und schon ein paar Gläser davon 'probiert' hatten. Wir haben gelernt, dass Thailänder gerne und oft essen, aber niemals viel. Wohl auch, weil man wegen der Würze der Speisen oft nicht viel essen kann. 5 Tage Kochkurs waren ein voller Erfolg, den wir nun mit einem Zertifikat belegen können. Das wird bestimmt einen Ehrenplatz in unserer Küche bekommen. Nach einer Woche haben wir dann Kata verlassen. Schwer fiel uns das nicht, denn ausser unseres Kochkurses konnten wir nicht viel Schönes an diesem Touristenort in der Nähe von Phuket finden.
Die Fahrt mit der Fähre nach Phi-Phi Island und weiter mit der nächsten nach Lanta erforderte starke Nerven von uns. Wenn man, wie wir, die Wildnis liebt und sich in menschenleeren Landschaften am wohlsten fühlt, stellen Menschenmassen, enge Sitzreihen und Geschubse einer richtige Bedrohung da.
Am Anleger von Koh Lanta wurden wir von An abgeholt. Anns Bungalowanlage war uns von einer Freundin empfohlen worden und so hatten wir ihn angerufen, um zu fragen, ob er noch etwas für uns frei hätte. Er brachte uns in eine andere Welt. Weit ab vom nächsten Dorf, in einem Garten aus Kokospalmen standen hübsche, sehr individuelle Bambus-Bungalows. Kleine Sitzgruppen aus Bambus standen verstreut herum und boten einen wunderbaren Blick auf den weissen Sandstrand und das Meer. Gedämpftes Gelächter und fröhliches Gebrabbel in den verschiedensten Sprachen kam von den anderen Bewohnern der Anlage. Voll konnte es hier nicht werden, denn mit nur acht Bungalows und ein paar Tagesgästen war die Zahl der Besucher doch sehr eingeschränkt.
Gerade, als wir uns schon freuten, nun endlich einen schönen Platz für unsere letzten zwei Wochen Thailand gefunden zu haben, eröffnete uns An, dass er gar nichts für uns frei hatte. Er hatte uns nur nicht abweisen wollen und hatte einfach kurzerhand in der benachbarten Anlage einen Bungalow für uns angemietet. Dort war es leider nicht halb so schön. Doch der Weg zu 'Bee Bee', wie Anns Anlage heisst, war nicht weit und nach zwei Tagen ist dann auch bei ihm ein Bungalow für uns frei geworden. Hier werden wir nun bleiben.
Die anderen Gäste hier sind alles Individualreisende, aus den verschiedensten Ländern. Japaner unterhalten sich mit Kanadiern, ein Engländer gibt einem Schweden Gitarrenuntericht, Belgier, Italiener, US-Amerikaner und natürlich Deutsche reden gerne und wild durcheinander oder machen gemeinsam Musik. Anns Frau heisst Kauro und ist Japanerin. Sie trägt mit Vorliebe Kleider aus Batikstoffen. Das alles erinnert ein bisschen an eine Wohngemeinschaft, auch weil die Gäste gerne mal an der Bar halfen oder in der Küche kochen. Abends trifft man sich zum Volleyballmatch am Strand und auch Anns freundliche Mitarbeiter spielen dabei immer mit.
Wir fühlen uns hier pudelwohl und wir sind nicht die Einzigen. Viele Reisende scheinen hier das Reisen an den Nagel zu hängen und sich hier erst einmal niederzulassen. Ein deutsches Paar, Suse und Andi aus Düsseldorf, erzählten uns, dass sie vor einem Jahr, genau wie wir, am Ende einer einjährigen Weltreise hier gelandet waren und ihre letzten Wochen hier verbrachten. Genau das haben wir auch vor und so viel Zeit ist auch nicht mehr. In 9 Tagen geht es ab nach Hause!
Christiane am 23.02.2002 auf der Fähre Koh Lanta - Koh Phe Phe - Koh Phuket (Thailand):
Die letzten Tage sind einfach so verflogen. Spät aufstehen, dreimal täglich leckeres Thai-Essen genießen, nachmittags etwas im Meer baden, viel lesen, abends 1-3 Bier oder Caipirinha und dann wieder schlafen, so war unser Tagesablauf. Für die letzte Woche hatten wir uns das heißbegehrte Baumhaus in der 'Bee Bee' Bungalowanlage ergattert. Über eine grobgezimmerte Treppe, oder Leiter, kletterten wir drei Meter in die Höhe, um in unseren, auf Stelzen stehenden, Bambusbungalow zu gelangen. Diese drei Meter mußten wir allerdings auf der anderen Seite wieder herunter klettern, um in unser 'Bad' zu kommen - auch nachts.
Wir genossen es, bei offenem Fenster unter dem Moskitonetz zu liegen, das Meer zu sehen und dem Wind in den Kokospalmen zuzuhören. Dieses angenehme Rauschen wurde allerdings manchmal von dem lautem Getöse eines herunterfallenden 'Blattes' oder einer Kokosnuß abrupt übertönt. Ich war nur froh, das es so etwas wir Herbst in Thailand nicht gibt. Es wäre ja lebensgefährlich, wenn die über zwei Meter langen Palmwedel alle gleichzeitig von den Bäumen fallen würden! Die Kokosnüsse waren eine willkommene Gelegenheit für eifrige Wettbewerbe unter den Bewohnern der Bungalowanlage. Wo durchschnittliche Japaner oder Europäer bei dem Versuch eine zu öffnen, über eine Stunde brauchten und sich blutige Finger holten, hielt ,An der thailändische Besitzer der Anlage, das saftige frische Kokosfleisch in nur vierzig Sekunden - wir haben es mitgestoppt - in den Händen. Dieses wurde dann allerdings wieder gerecht unter allen aufgeteilt.
Die Abende verbrachten wir meist mit den zwei Travellern Suse und Andi aus Düsseldorf. Besonders am letzten Abend in Thailand, dem letzten Abend unserer Weltreise, vertrieben die beiden unsere melancholische Stimmung mit nicht nachzuerzählenden Geschichten, die so lustig waren, daß mir Bauch vom lachen weh tat. Danke Euch beiden!
Ja, der letze Abend unserer Weltreise, er kam tatsächlich irgendwann. Obwohl ich mich wirklich auf zu Hause freute, war es ein sehr komisches Gefühl, daß das Reisen nun wirklich zuende gehen sollte. Über zehneinhalb Monate sind wir herumgereist, haben Länder gesehen, Eindrücke gesammelt und Menschen kennengelernt. Jetzt sehe ich dem Alltag, der mich zu Hause erwartet, doch mit sehr gemischten Gefühlen entgegen. Die Reise, auf die ich so freute, die mir unterwegs manchmal unendlich erschien und die mir das bisher beste Jahr meines Lebens bescherte, geht zu Ende und ich habe das Gefühl, das danach nur ein anderes Leben beginnen kann.
Im Aufbruchstrubel ist mir dann noch ein Mißgeschick passiert. Ich habe die Tüte mit meinen Schuhen im Bungalow stehen lassen. Das erste und einzige Mal, daß auf dieser Reise etwas wirklich Wichtiges abhanden gekommen ist! Doch die lieben Düsseldorfer, die uns noch zur Fähre begleitet hatten, haben versprochen, mir die Schuhe mit nach Deutschland zu bringen. Auch ein Grund sich bald wieder zu sehen!
Nun sitzen wir auf Fähre in Richtung Phuket und in wenigen Stunden startet unser Flugzeug in Richtung Deutschland. Wenn ich dann in Hamburg im Februar bei Schneetreiben ankomme und Badelatschen an meinen Füßen habe, glaubt bestimmt jeder, daß ich auf unserer Reise endgültig verrückt geworden bin!
Christiane am 27.02.2002 in Hamburg/Deutschland
Nun sind wir da! Zum Glück hatte ich noch einmal die Gelegenheit der günstigen Preise in Thailand ausgenutzt und mir in Phuket noch schnell ein Paar billige Stoffschuhe zugelegt. Die Badelatschen waren mir aber so ans Herz gewachsen, daß sie im Handgepäck mit nach Deutschland reisen durften. Im Flugzeug von Thai-Airways konnten wir zum letzten Mal thailändische Freundlichkeit spüren und thailändisches Essen genießen. Doch irgendwann landeten wir in Frankfurt. Das erste was uns auffiel, war die seltsame Ruhe, die uns nach der lautstarken Hektik beim Umsteigen auf Flughafen in Bangkok sehr seltsam vorkam - angenehm zwar, aber auch irgendwie bedrückend.
Auf dem letzen Flug von Frankfurt nach Hamburg war an Schlaf nicht mehr zu denken. Ich war einfach zu aufgeregt. Bald würden wir wieder zu Hause sein, Familie und Freunde sehen und in die eingene Wohnung wieder einziehen können. Immer mehr Unruhe machte sich in mir breit. Torstens Mutter und ihr Lebensgefährte würden uns abholen, das war ausgemacht, und darauf freuten wir uns auch schon sehr. Daß ein paar Freunde da sein würden, vermuteten wir auch. Aber würden meine Eltern vielleicht auch aus dem fernen Vreden angereist kommen?
Über meine neue Schuhe freute ich mich noch einmal mehr, als ich sah, daß in Hamburg tatsächlich Schneetreiben herrschte.
Nach dem Landen mußten wir uns zunächst allerdings um unser Gepäck kümmern. Dieses war, wie wir erfuhren, beim Umsteigen in Frankfurt geblieben. Eigentlich war uns das sehr recht, brauchten wir uns so doch keine Gedanken über den Transport unserer sperrigen Fahrradkisten zu machen. Wir würden sie später einfach nach Hause geliefert kriegen.
Als das geklärt war, durften wir endlich durch die Absperrung zu den Menschen, die uns erwarteten. Inge, Torstens Mutter, und Andreas schlossen uns in Ihre Arme und drückten mich auch gleich von meinen Eltern mit. Die nämlich waren, sehr zu meiner Enttäuschung, bei der Fahrt nach Hamburg im Schnee stecken geblieben und hatten den Versuch, uns am Flughafen zu begrüßen, aufgeben müssen.
Doch all die anderen, die uns erwarteten, halfen über die kleine Enttäuschung hinweg. Arne, Gaby und Haig mit Lucy, Wolfgang und Isa, Bernd - und nicht zuletzt unsere liebe Nachbarin, Frau Litzbach, ließen die Sektkorken für uns knallen!
Nun sind wir wieder in unserer Wohnung und es sind drei Tage vergangen. Hin und wieder ruft jemand an und fragt, ob wir uns schon wieder eingelebt haben. Nein, eigentlich noch nicht! Wir haben unsere Wohnung wieder in Betrieb genommen und schon mal flüchtig in unsere tausenden Dias und unsere zwanzig Stunden Video hinein geschaut. Aber das alles zu be- und verarbeiten wird noch Monate dauern. Den ersten Tag habe ich mich nicht aus der Wohnung getraut. Ich hatte Angst, jemanden zu treffen, der mich kennt, oder noch viel schlimmer, nicht erkennt.
Torsten hat sich am letzten Tag in Thailand noch eine schlimme Ohrenentzündung zugezogen. Das drückt natürlich die Stimmung noch mehr. Als ich dann doch einmal verschiedene Dinge erledigen mußte, fand ich es fast erschreckend, mich in der Stadt zu bewegen. Ich dachte von mir, ich sei jetzt in der Welt zu Hause und nun fühle ich mich in meiner eigenen Stadt wie eine Fremde. Ich komme mir immer noch so vor, als würde ich mir das hier alles nur anschauen und beobachten. Ich muß allerdings zugeben, das meine bisherige Meinung, in Deutschland seien alle Menschen so unfreundlich, revidieren muß. Es gibt sehr nette Menschen hier in Hamburg, man muß nur hinschauen!
Ich lebe im Augenblick noch sehr in der Vergangenheit und denke fast nur an die zurückliegende Reise. Ich bin sehr dankbar, daß wir so etwas machen konnten. So viele Menschen haben dazu beigetragen, uns diese Reise zu ermöglichen und verschönern. Es ist mir ein tiefes Bedürfnis, den lieben Helfern, allen voran Inge und Andreas und Frau Litzbach, die sich hier in Deutschland um unsere Belange und unsere Wohnung kümmerten, zu danken. Aber auch den Leuten, denen wir auf unserer Reise begegnet sind und die sie zu einem ganz besonderen Erlebnis gemacht haben, bin ich dankbar. Unsere Familien und Freunde haben uns unterwegs per eMails auf dem Laufenden gehalten und uns einen guten Grund gegeben, uns wieder auf zu Hause zu freuen. Und die netten, zum Teil fremden Menschen, die unsere Reise im Internet verfolgten und uns so oft unterstützende Feedbacks geschrieben haben, haben uns darin bestätigt, dieses Tagebuch zu führen.
Allen diesen Menschen vielen Dank!
Torsten, Dir danke ich dafür, daß wir diese wundervollen Erlebnisse teilen konnten und daß wir uns so gut verstanden haben! Wir sind ein super Team!
Dies ist mein letzter Eintrag in dieses Tagebuch und ich wünsche allen, die dies lesen, alles Liebe und Gute!
Tagebuch einer Weltreise © Torsten + Christiane Herrmann 2001/2002