Tagebuch einer Weltreise


April: Iowa, Illinois, Kentucky, Tennessee, Georgia
Mai: North Carolina, Tennessee, Ontario, Quebec, Maine, New Brunswick, Nova Scotia 
Juni: Nova Scotia, Neufundland, Labrador
Juli: Quebec, Ontario, Manitoba, Saskatchewan, Alberta, British Columbia, Yukon Territory, Alaska
August: British Columbia, Yukon Territory, Northwest Territories, Alaska

September: British Columbia, Alberta, Montana, Wyoming, Idaho, Utah, Nevada, California
Oktober: Neuseeland; Northland, Marlborough
November: Marlborough (NZ); Australien: Victoria

Dezember: Victoria, New South Wales

Januar: Queensland
Februar: Thailand
März: Deutschland


Camping
unser norwegisches Tundrazelt in Down Under


Christiane
Cycling Australia


Christiane am 04.12.2001 in Mortlake/Victoria (Australien):

Es war ein furchtbarer Tag, um Rad zu fahren. Es regnete in Strömen, wir hatten Gegenwind und in der Ferne donnerte es bedrohlich.
Völlig durchnässt und durchgefroren kamen wir nach 75 anstrengenden Kilometern in Mortlake, Victoria an. Ganz gegen unsere Gewohnheit nahmen wir uns ein Zimmer in einem Motel und genossen den Luxus einer heissen Dusche und in einem grossen weichen Bett zu schlafen. Draussen brach das Gewitter richtig los und ein schwerer Hagelsturm bestätigte uns in der Entscheidung, für einmal aufs Zeltaufbauen zu verzichten.
Am anderen Morgen sah die Welt leider noch nicht viel anders aus. Es regnete zwar nicht mehr, aber der Wind hatte kein Stück nachgelassen. So beschlossen wir, in der örtlichen Touristeninformation den Vormittag zu verbringen und längst überfällige e-Mails zu schreiben.
Für so ein kleines Dorf, schätzungsweise 1000 Einwohner, war das Visitorscenter erstaunlich gut mit Internetcomputern ausgestattet und diese Gelegenheit mussten wir einfach nutzen.
Dorf ist allerdings ein Wort, das es in Australien nicht gibt - NEIN, auch nicht auf englisch! Hier ist jegliche Ansammlung von Häusern, und besteht sie auch nur aus einem Haus, einer Tankstelle und einer Kneipe - die zumeist auch gleichzeitig ein Hotel ist - eine "Town" = Stadt. Sagt man "Village" = Dorf dazu, sind die sonst sehr aufgeschlossenen Bewohner richtig beleidigt. Ausserdem wird man so auch sofort als "Nichtaustralier" erkannt.
Je kleiner die Town ist, desto grösser ist das Interesse an uns. Wo wir herkommen, wo wir hinfahren, wie lange wir in Australien bleiben und ob es uns gefällt sind die üblichen Fragen, die wir überall gestellt kriegen.
In Mortlake kam dann doch tatsächlich der Reporter der örtlichen Zeitung hinein. Er hatte draussen unsere Fahrräder gesehen und fragte neugierig, wem die Räder gehören. Als wir erzählten, was wir machen und wie lange wir unterwegs sind, beschloss er, einen Artikel über uns zu schreiben. Und am nächsten Samstag werden wir nun sogar mit Bild in der Mortlaker Dorf-, entschuldigung, -Stadtzeitung erscheinen.


Torsten am 18.12.2001 in Narooma/New South Wales (Australien):

Wir haben jetzt nur noch 6 Wochen Aussieland und 3 Wochen Thailand vor uns. Komisches Gefühl. Zwischendurch hatte ich tatsächlich mal geglaubt, diese Reise sei unendlich...
In Thailand wollen wir dann 3 Wochen relaxen, lesen, baden, trinken, essen, am liebsten alles an nur einem Ort, ohne aufreibendes herumreisen, davon haben wir jetzt doch so langsam genug. Es dürstet uns nach Bequemlichkeit und Komfort. Ich würde gern mal wieder im eigenen Bett schlafen und die Duschen auf den Campingplätzen würde ich auch gern mal gegen die Dusche zuhause tauschen.

East Coast
an der Ostküste

Unsere Fahrradtour hier läuft z.Zt. nicht so gut, wie wir es gerne hätten, denn unsere jetzige Route, grosspurig 'East Coast Explorer' genannt, ist eine Empfehlung des 'Lonely Planet - Cycling Australia' und lange nicht so gut wie wir dachten. Wir fahren meist nur auf belebten Highways (so eine Streckenempfehlung setzen die in ein Fahrradbuch, die haben echt nicht alle Tassen im Schrank!) und leider haben wir hier auch gar keine Alternative mehr, denn es gibt kaum Seitenstrassen, rechts ist das Meer und links ist ein fast unüberwindbares Gebirge. Danke 'Lonely Planet'(!) - das Buch 'Cycling New Zealand' hatte an seltsamen Empfehlungen und idiotischen Streckenvorschlägen ja auch schon keinen Mangel. Die Tour am Murray River, die wir vorher auf eigene Faust ausgearbeitet haben und die in keinem Buch steht, war wirklich 1000mal besser, denn sie war leichter zu fahren, führte über fast unbefahrene Nebenstrassen durch echtes Australien. Hier an der Ostküste ist es sehr touristisch und daher alles auch noch viel teurer. Ich muss aber fairerweise sagen, dass die regulären 'Lonely Planet' Reiseführer im Gegensatz zu deren 'Cycling' Büchern bisher immer ihr Geld wert waren.
Ansonsten haben wir seit unserem letzten Eintrag in Mortlake wieder unglaublich viel erlebt. Zunächst machte uns das Wetter mal wieder einen sehr nassen und orkanartigen Strich durch die Rechnung, wir hatten nämlich vor, die 'Great Ocean Road' an der australischen Südküste entlang Richtung Melbourne zu fahren und so unsere Rundtour durch Victoria abzuschliessen. In dem Ort Warrnambool haben wir dann 4 ganze Tage bei Windstärke 6-8 und Temperaturen um 12 bis 14 Grad auf Besserung gewartet, und was passierte? Es fing auch noch an zu regnen. Wir haben es dann vorgezogen, mit dem Zug nach Melbourne zu fahren und dort einer Einladung von John und Rosemarie zu folgen, die wir ein paar Tage zuvor kennengelernt hatten. Die zwei Tage bei John und Rosemarie und echter australischer Gastfreundschaft haben uns nach dem Wetterfrust sehr gut getan. Es war schön, mal wieder in einem Haus zu sein und aufs Klo gehen zu können, ohne sich auf dem Weg dahin die Regenjacke anziehen zu müssen.

bikes
auf dem Weg nach Phillip Island
bikes
unsere Gastgeber
Rosemarie, Sohn Gavin und John

Unser Reiseziel Tasmanien haben wir wegen des schlechten Wetters übrigens ganz von der Liste gestrichen, dort hat es nämlich am 11. Dezember geschneit, absoluter Rekord seit Beginn der Wetteraufzeichnungen!
Unsere Tour führte uns dann nach Phillip Island mit seiner berühmten 'penguin parade'. Jeden Abend pünktlich zum Sonnenuntergang kommen sie zu Tausenden aus dem Wasser an Land gewatschelt. Es sind die kleinsten Pinguine der Welt, nicht grösser als eine Colaflasche. Diese Touristenattraktion lockt zu Spitzenzeiten soviele Besucher an, dass die Zahl auf maximal 4000 Besucher täglich begrenzt werden muss. Ein Besuch der Pinguinparade ist absolut empfehlenswert, ich habe niemanden gesehen, der nicht mit einem verzückten Lächeln seine Heimreise angetreten hat. Von den Eintrittsgeldern werden Naturschutzprojekte finanziert.
Leider hat ein paar Tage nach unserem Besuch ein 15 km langer Ölteppich unermesslichen Schaden an der bedrohten Kolonie angerichtet. Irgendjemand hat in dieser einzigartigen Natur skrupellos Altöl verklappt. Offensichtlich gibt es solche Umweltverbrechen nicht nur in der Nordsee. Wir waren sehr schockiert, als wir davon gehört haben.
Die Weihnachtstage werden wir in einer Ferienwohnung hier in Narooma verbringen. Narooma gefällt uns gut, es ist ein kleines, nicht zu touristisches Fischerdorf 350km südlich von Sydney. Ach ja, das Wetter hier ist auch endlich wieder angenehm - Sonne, 26 Grad, leichter Wind. Gut für eine Verschnaufpause.


Torsten am 23.12.2001 in Narooma/New South Wales (Australien):

Unser Tagebuch wird ja tatsächlich gelesen! Immer wieder erreichen uns eMails mit Anfragen und Kommentaren von Freunden, Verwandten, Kollegen und anderen reiselustigen Menschen. Besonderes Interesse scheinen unsere Erlebnisse in der Kiesgrube in Labrador (28.06.), die Kenterung in Quebec (03.07.) und der Dauerregen in Neuseeland (Oktober) hervorgerufen zu haben. Während des Regens in NZ bekamen wir haufenweise Mails mit mitfühlenden Kommentaren oder auch Durchhalteparolen zugeschickt. Dieses rege Interesse von so vielen lieben Menschen ist eine ganz besonders angenehme Erfahrung. Wir möchten zu Weihnachten die Gelegenheit nutzen, dafür mal ganz herzlich "Dankeschön!" zu sagen. Wir werden natürlich versuchen, dieses Tagebuch weiterhin 'up to date' zu halten.
Für uns persönlich stellen diese Aufzeichnungen mittlerweile auch schon einen grossen Wert dar, denn wir stöbern selber oft darin herum und können kaum glauben, dass wir das alles selber erlebt haben.


Christiane am 24.12.2001 in Narooma/New South Wales (Australien):

Eigentlich lag Narooma nur in der Mitte unserer Tagesetappe. Wir wollten noch 40 Kilometer weiter fahren. Doch an diesem Tag gefiel uns das Radfahren sowieso nicht so richtig. Der Highway war voll und auf den steilen Anstiegen, die ich mich im Schrittempo heraufquälte, krochen mir auch noch unerträgliche Fliegen in Ohren, Augen und Nase herum.
Als dann auch noch, gerade in Narooma, eine Speiche an Torstens Hinterrad zerbrach, war der Fahrradspass für diesen Tag gelaufen. Sehr traurig war ich -muss ich zugeben- nicht gerade.
Die weiteren Tagesaktivitäten bestanden in dem Suchen eines Campingplatzes als Nachtquartier und eines Fahrradladens, um das Hinterrad reparieren zu lassen. Leider ist die Vermutung, dass Torstens nun schon zweiter Speichenbruch Spätfolgen des von mir verursachten Auffahrunfalls vor ein paar Wochen (20.11.) sind, nicht völlig unbegründet. Dieser Umstand hob weder meine noch Torstens Laune.
Vor lauter ärgerlicher Aktivitäten waren wir noch gar nicht dazu gekommen, uns den Ort, in dem wir versehentlich gestrandet waren, genauer anzusehen. Narooma, ein kleiner Küstenort ca. 300 Kilometer südlich von Sydney, hatte eigentlich alles, was uns gefällt: Weisse Buchten, von schroffen Felsen unterteilt, einen kleinen Hafen, der in einen Brackwassersee übergeht, ein Internetcafe und nicht zu viele Touristen.
Am nächsten Morgen hatte sich unsere Laune zwar gebessert, aber so richtig Lust, mit den Rädern wieder auf dem belebten Highway zu fahren, hatten wir immer noch nicht. Warum nicht ein paar Tage in Narooma bleiben? - Schliesslich war bald Weihnachten unnd zu diesem Anlass ein Dach über dem Kopf zu haben, diese Idee gefiel uns beiden sehr gut. Wir hatten Glück, eine bezahlbare Ferienwohnung mit Meerblick zu finden, die bis zum 26.Dezember frei war.
Heute ist nun Heiligabend -- Wir haben heute morgen unseren Kühlschrank mit lauter Leckereien für unser Weihnachtsfest gefüllt. Am meisten freue ich mich schon auf die Austern, die ich hier in Narooma zu ersten Mal im Leben probiert habe. Die werden in der Brackwasserlagune von Narooma gezüchtet und könnten frischer nicht sein. Dazu gibt es dann noch Garnelen im Salatbett und Sekt. So haben wir nun auch endlich für uns die Frage beantwortet, die uns schon so viele Australier vorher gestellt haben: Wo wir denn Weihnachten verbringen werden? Bei Sommersonne, 30 Grad und einer leichten Seebrise feiern wir unsere weisse Weihnacht am weissen Sandstrand von Narooma!

Narooma
Australia Rock in Narooma

Narooma
Christiane im Australia Rock


Torsten am 27.12.2001 in Batemans Bay/New South Wales (Australien):

Und 'schnapp' sitzen wir in der Falle!!! Wie war das noch, links ein unüberwindbares Gebirge und rechts das Meer. Zwischen Batemans Bay und Sydney wütet seit Weihnachten ein unkontrollierbares Buschfeuer, sowohl an der Küste als auch in den Bergen - die gesamte Ostküste hatte am 1.Weihnachtstag einen 10-stündigen Stromausfall und die einzige Strasse nach Norden ist wegen des verheerenden Feuers seit vorgestern gesperrt! Wir werden wahrscheinlich morgen mit dem Bus oder einem Leihwagen über Canberra in Richtung Brisbane hier herausfahren. Damit ist jetzt zwar mal wieder unsere gesamte Streckenplanung komplett über den Haufen geworfen, aber mit der von 'Lonely Planet' empfohlenen Route waren wir ja sowieso ganz und gar nicht zufrieden, es war schon die ganze Zeit sehr viel Verkehr und jetzt ist auch noch Hauptreisezeit. Die Route und die Strassen sind schlicht und einfach überhaupt nicht fürs Fahrrad geeignet.
Wir werden uns in Brisbane wohl etwas Neues überlegen müssen.

Weiter: Januar 2002






Tagebuch einer Weltreise © Torsten + Christiane Herrmann 2001/2002